Baume-les-Dames: Im Doubstal gemeißelter Jurakalk — ein Klettergebiet für Familien und erfahrene Kle

Im Osten Frankreichs, wo der Jura still im Hintergrund aufragt und die Doubs ruhig durch das Tal zieht, liegt Baume-les-Dames — eine dieser Orte, die man nicht so schnell wieder loslässt. Rund 445 km östlich von Paris, 215 km südlich von Straßburg — nah genug für ein Wochenende, anders genug, um sich weit weg zu fühlen. 

Zum ersten Mal war ich 2019 hier. Dann wieder 2020, 2021 und 2026. Vier Besuche, und sicher nicht der letzte. Es gibt Gründe dafür. 

📍 Anfahrt 

Die Anreise mit dem Auto ist am praktischsten. Von Straßburg aus sind es etwa 2,5 Stunden in Richtung Süden, von Lyon ähnlich weit nach Norden. Die Hauptklettergebiete sind theoretisch auch vom Bahnhof Baume-les-Dames zu Fuß erreichbar (30–45 Minuten), aber mit Seil, Expressschlingen und Kletterschuhen im Gepäck ist das Auto die vernünftigere Wahl. 

Wer wie ich hauptsächlich im Elsass und den Vogesen auf rötlichem Sandstein klettert, dem fällt beim ersten Anblick der weißen Kalkwände über der Doubs sofort auf: Hier ist alles anders. Die Farbe des Gesteins, die Textur, die Art, wie man die Griffe liest — von Anfang an ein anderes Gefühl. Allein dieser Kontrast sorgt dafür, dass man schon auf der Anfahrt in Stimmung kommt.

📚 Kletterführer 

Escalade dans le Doubs 

Das Département Doubs zählt nicht weniger als 42 Klettergebiete. Lange Zeit hatte jedes Gebiet seinen eigenen Führer. Seit 2022 sind alle in einem einzigen Band zusammengefasst — mit Baume-les-Dames, Escalade au Pays de la Loue, Rurey und allen weiteren wichtigen Gebieten. 

📌 Das Tourismusbüro in Baume-les-Dames führt den Führer (Stand April 2019). Ein guter Anlass, beim Kauf auch einen kurzen Bummel durch den Ort einzuplanen.

🎒 Ausrüstung 

Seil: 80 m empfohlen. Mit 70 m kommt man auf den meisten Routen aus, aber Le pilier des pirates (6a+) in Sous Buen ist 35 m lang — da ist mehr Puffer beruhigend. 

Expressschlingen: 15 Stück reichen für die meisten Routen; mit 18 hat man etwas mehr Spielraum. Die Absicherung ist sorgfältig und regelmäßig gesetzt — gut gesicherte Routen brauchen oft mehr Schlingen, als man zunächst denkt. 

Umlenkung: Die meisten Routen sind mit Maillon-rapide-Verschlüssen ausgestattet. Der Gesamtzustand ist gut.

📊 Schwierigkeitsgrade und Gestein 

Die Schwierigkeitsgrade stimmen gut mit dem Führer überein — nichts dramatisch Undersandbaged, nichts übertrieben Hochgestuftes. Die Hakenabstände sind angemessen, manchmal sogar großzügig. Wer zum ersten Mal hier klettert, muss sich keine Gedanken über schlecht gesicherte Passagen machen. 


Das Gestein ist Jurakalk: technisch, präzise, mit feinen Griffen, die Aufmerksamkeit verlangen. Wer es gewohnt ist, im Sandstein kraftvoll und griffig zu klettern, wird hier eine andere Logik vorfinden. Fußarbeit zählt. Bewegungsfolgen zählen. Es ist Klettern, das Geduld und Nachdenken belohnt — was für viele von uns jenseits der vierzig durchaus passt.

🌤 Klettersaison 

Frühling (April–Juni) und Herbst (September–November) bieten die besten Bedingungen. Im Sommer ist Klettern möglich, aber Südwände können mittags zur Tortur werden — ab Juli sind frühe Starts unerlässlich. 


Man begegnet hier in den Zwischensaisons einem bestimmten Typ Kletterer: jenen, die in den Jura kommen, wenn die Alpen zu weit oder nicht in Kondition sind. An einem klaren Frühjahrs- oder Herbsttag, mit frischer Talluft und dem Doubs-Glitzern tief unter den Füßen, versteht man sofort, warum.

🧗 Die Klettergebiete 

Sechs Gebiete sind vom Stadtzentrum aus gut erreichbar. Die beiden beliebtesten — und kaum könnten sie unterschiedlicher sein — sind Quint und Sous Buen. Gleicher Fluss, gleicher Kalkstein, und doch wirken Atmosphäre, Schwierigkeitsspektrum und sogar das Licht wie zwei verschiedene Welten.


Quint (#5) 

Neun Sektoren ziehen sich am Flussufer entlang, alle nach Süden ausgerichtet, alle für mittlere bis fortgeschrittene Kletterer gedacht. Von 179 Routen sind 70 im 7. Grad und 46 im 8. Grad — eine beeindruckende Dichte an anspruchsvollen Qualitätsrouten. Das Klettern ist dynamisch und dreidimensional, wie Kalk auf seinem besten Niveau eben ist: kraftvolle Züge, die trotzdem Lesen und Präzision erfordern. 

Die Kulisse trägt das Ihre dazu bei. Hoch über dem Doubs, mit echter Ausgesetztheit unter den Füßen, gibt es Momente auf bestimmten Routen, wo man nach unten schaut und denkt: Ja, genau dafür bin ich wiedergekommen. Wer im 7. Grad oder darüber klettert, sollte Quint unbedingt auf dem Plan haben. 

Sous Buen (#6) 

Dreizehn Sektoren am selben Fluss, aber nach Osten ausgerichtet — was alles verändert. Der Nachmittagsschatten macht das Gebiet noch weit in den Sommer hinein angenehm. Der kurze, flache Weg vom Parkplatz macht es für Familien mit kleinen Kindern zugänglich. 

Von 229 Routen sind 190 mit 6c oder leichter bewertet — darunter 4 Routen im 3. Grad und 19 im 4. Grad. Für Kinder, die zum ersten Mal an echtem Fels klettern, gibt es kaum ein besser geeignetes Gebiet.

Einzelne Sektoren zeigen Verschleißspuren — etwas dreckiger Fels, gelegentlich instabile Griffe — aber die Gesamtatmosphäre ist entspannt und einladend. Es ist die Art von Gebiet, an dem man einen vollen Tag verbringt, ohne zu merken, wie die Zeit vergeht. 

🏡 Unterkunft 

Die Gegend bietet eine gute Auswahl an Gîtes — Ferienhäuser zur Selbstversorgung, ideal für Klettergruppen. Hier sind drei Adressen, in denen ich persönlich übernachtet habe. 

① La Maison Imparfaite 

5 Chemin du Tunnel, 25110 Fourbanne (Aufenthalt März 2019) 

Ein gemütliches Gîte mit zwei Schlafzimmern (je 2–3 Einzelbetten) und einer gut ausgestatteten Küche. Eine angenehme Überraschung: frische Eier von den Hühnern der Besitzer — kostenlos 🐔 Im Kühlschrank stehen Bier und Wein gegen einen kleinen Aufpreis bereit — ideal zum Runterkommen nach einem langen Klettertag. Die Gastgeber sprechen Deutsch, Französisch und Englisch. Eine Direktbuchung über die eigene Website soll günstiger sein als über die großen Buchungsplattformen. 

⚠️ Ein Hinweis: Neben dem Haus verläuft eine Bahnlinie. Der Zug fährt gelegentlich vorbei — nichts Dramatisches, aber wer einen leichten Schlaf hat, sollte es wissen. 


② 3 Rue Principale (Aufenthalt Februar 2021) 

Geräumige Zimmer mit Doppelbett, zwei Einzelbetten und Schlafsofa — flexibel für unterschiedliche Gruppengrößen. Allerdings liegt das Haus an einer Hauptstraße mit entsprechendem Verkehrslärm, draußen zu entspannen ist kaum möglich. Beim gleichen Budget würde ich ohne Zögern zu La Maison Imparfaite zurückkehren.


③ 7 Rue des Charmilles (Aufenthalt Mai 2026) 

Die am besten ausgestattete Unterkunft der drei, ohne Frage. Zwei Doppelbetten, zwei Einzelbetten, ein Schlafsofa, zwei Küchen, zwei WCs, ein Duschbad, ein Vollbad mit Badewanne — und ein Pool. Aperitif am Pool mit der Gruppe nach dem Klettern? Das lässt man sich gerne gefallen 😄  

🍽 Restaurant

Le Caveau 

9 Rue Félix Bougeot, 25110 Baume-les-Dames 

Ein italienisches Restaurant im Stadtzentrum mit angenehmer Atmosphäre und wirklich guter Pizza. Ein befreundeter italienischer Kletterer war zufrieden — in Sachen Pizza ist das ein verlässliches Urteil 🍕

Zum Schluss 

Baume-les-Dames zieht mich immer wieder an — und das kommt nicht von ungefähr. Die Qualität des Gesteins, die Vielfalt der Gebiete, die unkomplizierte Anreise, die stille Schönheit des Tals. Kein Spektakel, aber ein Ort, der bei jedem Besuch etwas Neues bereithält. 

Beim ersten Mal fühlte sich der Kalk nach Jahren auf Sandstein fremd an. Am Ende dieses ersten Aufenthalts plante ich bereits die nächste Fahrt. Manche Orte machen das mit einem. 


✍🏻 Eine Übersicht aller Routen, die ich bei meinen vier Besuchen in Baume-les-Dames geklettert bin, findet sich hier.

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