Winteraustreiben in Straßburg: Fantastische Fabelwesen erobern die Stadt (Karneval 2026)

Ein Abschied vom Winter im Rhythmus der Sommerzeit 

Am ersten Sonntag der diesjährigen Sommerzeit war es wieder soweit: Straßburg feierte seinen traditionellen Karneval und hieß damit den Frühling willkommen.

Dieser besondere Tag, der oft mit der Umstellung auf die Sommerzeit zusammenfällt, markiert für die Straßburger den symbolischen Wendepunkt des Jahres. Das Herzstück der Feierlichkeiten, die Cavalcade (der große Umzug), verwandelte die historischen Gassen in ein lebendiges Meer aus Farben und Musik. Es ist ein Fest für alle – ein Moment, in dem fantasievolle Kostüme und die ansteckende Freude der Familien die Stadt verzaubern.


Nach den unsicheren letzten Jahren, geprägt von stürmischem Wetter oder der Stille der Pandemie, war die Erleichterung in diesem Jahr förmlich greifbar. Trotz eines grauen Himmels und kühler 9 Grad blieb es windstill, sodass der Umzug ungehindert stattfinden konnte. Ein Aufatmen ging durch die Menge.


Das Motto 2026: „Fantastische Tiere und Fabelwesen“ 

Das diesjährige Thema „Les animaux fantastiques et légendaires“ entführte uns in die Welt von Louisa und Côme, zwei Kindern, die in einem magischen Heißluftballon auf Abenteuerreise gingen. 


Als regelmäßiger Besucher seit 2014 war ich von der künstlerischen Qualität der diesjährigen Wagen besonders beeindruckt. Das absolute Highlight war ein riesiger, mechanischer Drache. Es war faszinierend zu beobachten, wie er seinen Kopf majestätisch hin und her schwenkte und ihn dann langsam und fast lebendig direkt auf uns Zuschauer richtete – ein Moment von solcher Präsenz, dass man unbewusst einen Schritt zurückwich. Diese Mischung aus präziser Mechanik und fantastischem Design lässt sich in Bildern kaum festhalten.


👉🏻 Einen Eindruck von dieser Dynamik erhalten Sie in meinem Video zum Umzug


Gelebtes Brauchtum: Das Geheimnis von 15:11 Uhr 

Ganz nach Tradition begann der Umzug pünktlich um 15:11 Uhr. Für Kenner des rheinischen Karnevals ist die Zahl „11“ natürlich ein Begriff, beginnt die Session dort doch am 11.11. um 11:11 Uhr. In Straßburg pflegt man diesen Respekt vor der „Zahl der Narren“ auf ganz eigene Weise: Man wartet bis zum Nachmittag, um den Tag entspannt und in typisch elsässischer Gemütlichkeit zu genießen. Ein wunderbares Detail, das zeigt, wie hier Tradition und Lebensart verschmelzen.


Was sich wandelt und was bleibt 

Nach über zehn Jahren, in denen ich diesen Karneval begleite, bemerke ich feine Veränderungen. Die „Konfetti-Stürme“, die einen früher fast blind machten, und die lautstarken Rufe nach „Bonbons!“ am Straßenrand sind im Vergleich zur Zeit vor 2020 etwas leiser geworden. 


Doch der Kern der Tradition bleibt unberührt. Die Guggenmusik-Gruppen mit ihren mitreißenden Rhythmen lassen das Straßburger Pflaster nach wie vor beben. Und vor allem das Strahlen in den Augen der Kinder in ihren liebevollen Kostümen ist über die Jahre hinweg gleich geblieben. Es ist das Herzstück dieses Festes, das nie altert.


Der Zauber eines unbeständigen Frühlings 

Man mag sich fragen, warum man bei dieser Kälte draußen ausharrt. Doch für uns hier ist dieser Umzug ein notwendiges Ritual. Es ist unsere gemeinschaftliche Art, den Winter zu verabschieden und die warme Jahreszeit einzuladen. 


Die Belohnung folgt prompt: Wenn man sich nach dem letzten Wagen mit roten Wangen in die Wärme eines Cafés flüchtet, um bei einer heißen Schokolade die Eindrücke Revue passieren zu lassen. Genau so beginnt der Frühling in Straßburg. 

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